Allergien und Verträglichkeit vor einer Farbbehandlung
Haarfarbe enthält Bestandteile, auf die einzelne Menschen allergisch reagieren können. Deshalb sehen Hersteller in ihren Anwendungshinweisen einen Verträglichkeitstest vor der Behandlung vor, und deshalb fragt ein sorgfältiger Salon vorher nach früheren Reaktionen. Wer bereits einmal reagiert hat, gehört vor jeder weiteren Anwendung in eine hautärztliche Praxis und nicht auf den Friseurstuhl.
Warum überhaupt getestet wird
Eine allergische Reaktion ist keine Frage der Menge oder der Produktqualität, sondern der individuellen Veranlagung. Sie kann auch dann auftreten, wenn ein Produkt zuvor jahrelang vertragen wurde, denn eine Sensibilisierung entwickelt sich über die Zeit. Genau das macht das Thema unberechenbar: Aus dem bisherigen Verlauf lässt sich nicht sicher auf die nächste Anwendung schließen.
Der Verträglichkeitstest ist deshalb kein bürokratischer Vorgang, sondern ein Vorsichtsschritt. Er wird an einer kleinen Hautstelle durchgeführt, die anschließend beobachtet wird. Wie genau er anzuwenden ist und wie lange beobachtet werden muss, steht in der Anleitung des jeweiligen Produkts. Diese Angaben sind maßgeblich und sollten nicht abgekürzt werden.
Worauf zu achten ist
Ein Test ersetzt kein Gespräch. Wichtig sind Angaben, die der Salon nicht sehen kann:
- früher aufgetretene Reaktionen auf Haarfarbe, auch leichte
- bekannte Kontaktallergien, etwa auf andere Kosmetik
- Reaktionen auf temporäre Hautfarbe oder Tattoos, die als Warnsignal gelten können
- Hauterkrankungen im Bereich von Kopfhaut, Gesicht oder Nacken
- eine aktuell gereizte, verletzte oder entzündete Kopfhaut
Auch ein frisch gewaschener oder stark gekratzter Kopf ist ungeeignet, weil die Hautbarriere dann durchlässiger ist. Aus demselben Grund raten viele Betriebe davon ab, unmittelbar vor einer Farbbehandlung intensiv zu waschen oder die Kopfhaut zu peelen.
Welche Reaktionen unterschieden werden
Nicht jede Unverträglichkeit ist eine Allergie. Es gibt Reizreaktionen, die auf die Substanz selbst zurückgehen und bei ausreichender Menge jeden treffen können, etwa ein Brennen bei aufgekratzter Haut. Und es gibt allergische Reaktionen, die nur bei sensibilisierten Personen auftreten und sich anders zeigen, häufig verzögert und über die Kontaktstelle hinaus.
Diese Unterscheidung ist nicht laienhaft zu treffen und auch nicht im Salon. Wer während oder nach einer Behandlung mit Schwellung, starkem Juckreiz, Bläschen, Ausschlag oder gar Atembeschwerden reagiert, braucht ärztliche Hilfe, im schweren Fall unverzüglich. Der Betrieb kann in solchen Situationen nur unterbrechen, ausspülen und dazu raten.
Was der Salon leisten kann und was nicht
Ein Salon kann nach der Vorgeschichte fragen, den vom Hersteller vorgesehenen Test anbieten, die Anwendungshinweise einhalten, möglichst hautschonend arbeiten und im Zweifel absagen. Er kann außerdem Alternativen vorschlagen, etwa Techniken, bei denen das Produkt kaum Hautkontakt hat, oder Produkte mit anderer Zusammensetzung. Ob diese vertragen werden, weiß er allerdings nicht.
Was er nicht kann, ist eine Allergie feststellen oder ausschließen. Das ist eine ärztliche Aufgabe und erfolgt mit dafür vorgesehenen Verfahren. Wer eine belastbare Antwort will, bekommt sie dort und nicht im Salon. Ein Betrieb, der Unbedenklichkeit zusichert, verspricht etwas, das er fachlich nicht einlösen kann.
Ein verbreiteter Irrtum betrifft den Zeitpunkt des Tests. Er ist kein einmaliger Vorgang, der irgendwann erledigt wurde und danach dauerhaft gilt. Weil sich eine Sensibilisierung erst mit der Zeit entwickelt, beziehen sich die Herstellerhinweise auf die jeweils bevorstehende Anwendung. Wer den Test vor Jahren einmal gemacht hat, kann daraus für heute nichts ableiten.
Ebenfalls missverstanden wird der Begriff der pflanzlichen Farbe. Dass ein Produkt pflanzliche Bestandteile enthält, sagt nichts über die Verträglichkeit aus, denn auch Pflanzenstoffe können Allergien auslösen. Die Herkunft eines Inhaltsstoffs ist kein Maß für sein Risiko, und das gilt ebenso für Produkte, die als besonders mild ausgelobt werden. Wer empfindlich ist, kommt deshalb nicht darum herum, jedes Produkt einzeln zu betrachten und im Zweifel ärztlich klären zu lassen, statt sich auf eine Kategorie zu verlassen.
Fazit
Verträglichkeit ist eine persönliche Größe, die sich über die Zeit ändern kann. Der vom Hersteller vorgesehene Test, ehrliche Angaben zur Vorgeschichte und eine gesunde Kopfhaut sind die Grundlage. Bei jedem Hinweis auf eine früher aufgetretene Reaktion führt der Weg zuerst in die hautärztliche Praxis.